Es gibt keine Tramper mehr

Vor vielen Jahren war ich selbst einer: Ich bin gern getrampt. Zum Beispiel von München (Zivieldienst) nach Bayreuth (Uni anschauen) und zurück. Oder als 16-Jähriger!!! in England und Schottland. Später dann in den USA und auch Irland. Diese Zeit hat Spaß gemacht – einfach den Daumen raus halten und dann blitzschnell entscheiden, ob man einsteigt.

Heute gibt es kaum noch Tramper. Ich frage mich nach meinem gestrigen Blog über Vertrauen oder Technik, warum diese Art des Reisens fast ausgestorben scheint. Mein Ergebnis: Es gibt viel weniger Vertrauen als noch vor 10 oder 20 Jahren. Auch in einer ländlichen Region wie hier im Landkreis Hof sind Tramper daher sehr selten geworden.

Parallel haben sich Mitfahrzentralen entwickelt. Gerade über das Internet sind sie ideal, um Nachfrage und Angebot zu verknüpfen. Dabei geht es eher um lange Strecken, die auch eher selten zurückgelegt werden. Der Reiz des Unbekannten – wen nehme ich mit / wer fährt – ähnelt dem des Trampen. Gleichzeitig ist die Anonymität aufgehoben: Durch die zentrale Vermittlung ist auch ein gewisser Schutz vor Übeltätern gewährleistet.

Bei dem Webangebot „Nachbarn helfen Nachbarn und Freunden“ handelt es sich um eine besondere Art des Trampens. Alle Fahrer und Mitzunehmenden kennen sich. Sie wohnen dicht beieinander und vertrauen sich. Recht einfache Internet-Technik via www.nahnandf.net bringt Nachbarschafthilfe von der spontanen, zufälligen  auf die systematische Ebene. Mehr dazu in der Rubrik „Unterschiede„.

Jahrzehntelang bin ich an Trampern vorbeigefahren. Den letzten größeren Lift, an den ich mich erinnere, war von Berlin nach Hof. Ich nahm kurz nach der Grenzöffnung am Kontrollpunkt Drei Linden einen jungen Mann mit. Er war Sohn eines hohen Stasi-Offiziers, der im Zuge der Wende den Kontakt zum linientreuen Vater abgebrochen hatte. Das war eine interessante und schnelle Rückfahrt!

Dann, nach über 20 Jahren Pause, habe ich vor ca. einem halben Jahr einen Studenten mitgenommen, der öfters in Hof an der Lutherkirche trampt. Ich habe ihn auch nur mitgenommen, weil ich ihn vom Vorbeifahren kannte. Es war also eine gewisse Art von Vertrauensbasis vorhanden. Das nächste Mal, wenn ich ihn sehe, nehme ich ihn wieder mit.

Und erzähle ihm dann von nhnandf.net

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Eine Antwort zu Es gibt keine Tramper mehr

  1. catballou schreibt:

    Finde diesen Blog spannend und interessant – freue mich immer über neue Einträge – weiter so! Die ganze Idee nhnandf ist umwälzend: simpel und doch genial! Hoffe sehr, dass gaaaanz viele Menschen mitmachen!!!

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